Gewohnheiten

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Gewohnheiten sind Verhaltensweisen, die wir regelmäßig in einem stabilen Kontext ausüben. Sie bestimmen einen großen Teil unseres täglichen Handelns und sind nützlich, denn sie nehmen uns tägliche Entscheidungen ab. Unsere Aufmerksamkeit und Konzentration ist begrenzt und die Routine ermöglicht unserem Gehirn, nicht über grundlegende Verhaltensweisen nachdenken zu müssen und sich zu überfordern. Man geht davon aus, dass bis zu 30% - 50% der täglichen Handlungen durch Gewohnheiten bestimmt werden. Solange unsere Gewohnheiten mit unseren Zielen übereinstimmen, ist das auch völlig in Ordnung.

Schwierig wird es dann, wenn Ziele und Gewohnheiten auseinanderdriften, denn alleine durch neue Informationen ändern sich unsere Gewohnheiten nicht. Beispielsweise ist die Art, wie und was wir essen, ist eine Gewohnheit und selbst wenn wir wissen, wie wir gesünder essen sollten, fällt es den meisten Menschen schwer, das zu ändern. Ähnlich steht es mit der Information, dass Sport gut für uns ist. Und so gut wie jeder Raucher kennt die damit verbundenen Gesundheitsrisiken.

Gewohnheiten haben eine weitere Schattenseite: Sie schränken unsere Wahrnehmung ein und machen unflexibel. Wenn wir jahrelang den gleichen Weg zur Arbeit fahren, nehmen wir ihn immer weniger bewusst wahr. Wenn wir gelernt haben, wie wir uns in Meetings zu verhalten haben, damit wir gut damit durch kommen, entwickelt sich auch das zu einer Gewohnheit. Studien zeigten, dass Menschen mit stark routinierten Verhaltensweisen sogar auf Informationen verzichten, wenn sie eine Entscheidung für oder gegen ihre Gewohnheit treffen müssen und sich in der Regel für die Gewohnheit entscheiden. Lieber nichts ändern.

Warum sind Veränderungen von Gewohnheiten so schwer?

Gewohnheiten sind erlernt und haben sich über lange Zeit verfestigt. Deswegen kann man sie nicht einfach abstellen, sondern sie eher durch neue Gewohnheiten ersetzen, was wesentlich einfacher ist, als alte zu verlernen. Allerdings müssen neue Gewohnheiten ebenfalls genauso erlernt und verfestigt werden, um alte Gewohnheiten zu überlagern.

Der Lernprozess ist eine Wechselwirkung zwischen auslösendem Reiz, einer Handlung und einer Belohnung. Bei den bestehenden Gewohnheiten hat sich dies so oft wiederholt, dass dieser Weg automatisiert wurde. Der Auslöser ist oft nicht mehr bewusst, die Handlung ist Routine und die Belohnung wird nicht mehr als solche wahrgenommen(z.B. Rauchen als Pause, Essen als Abwechslung).

Das zuständige Hirnareal, die Basalganglien, ist unserem bewussten Willen nur schwer zugänglich. Es reagiert auf Auslösereize, sorgt dafür, dass unser gewohnheitsmäßiges Handeln in Gang kommt und verstärkt die nützlichen (weil energiesparenden) Routinen noch, in dem bei gewohnheitsmäßigen Handlungen, auch noch Botenstoffe ausgeschüttet werden, durch die wir uns dabei besonders wohlfühlen.

Wie ändert man Gewohnheiten?

Unsere Wahrnehmung spielt deshalb beim Aussteigen eine wichtige Rolle. Wenn wir erkennen, was uns die Gewohnheit bringt, fällt es uns leichter, dieses Bedürfnis auf eine andere Weise zu befriedigen. Wer raucht, um eine Pause im Arbeitsprozess zu haben, kann sich dann bewusst auf andere Weise Pausen gönnen und dies trainieren.

Wie bei der Gewohnheit muss auch bei einer Verhaltensänderung das gewünschte Verhalten mit einem deutlichen Auslösereiz gekoppelt sein und dann durch Belohnung verstärkt werden. Wenn ich beispielsweise mehr trinken möchte und immer ein volles Glas Wasser auf dem Schreibtisch stehen habe, trinke ich einen Schluck, wann immer ich es sehe.

  • In einem ersten Schritt bedeutet dies, eine Wahrnehmung dafür zu entwickeln, worin man steckt und was man gerne anders haben möchte. Dabei könnte ein Move wie die Trainingskarte "Was soll anders sein?" helfen.
  • Danach geht es darum, in vielen kleinen Schritten Moves auf das Ziel zu die neue Gewohnheit zu etablieren und jeder Schritt braucht Anerkennung, z.B. in Form einer Zertifizierung oder dadurch, dass er gesehen wird.


Quellen

  • Duhigg, C. (2013): The Power of Habit: Why We Do What We Do, and How to Change. Random House Books
  • Zeug, K. (2013) Mach es anders. ZEIT Wissen Nr. 2/2013, abgerufen am 29.03.2016
  • Orbell, S. and Verplanken, B. (2015): The strength of habit. Health Psychology Review, 9 (3), pp. 311-317.
  • Honey, C.(2016): Die Macht des Kaffees und der Zigaretten. [Spektrum de], abgerufen am 29.03.2016