Kontinuierliche Synchronisation

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Kontinuierliche Synchronisation

Für uns ist das Fundament jeder agilen Entwicklung Augenhöhe und Eigenverantwortung und das Ziel kontinuierliche Synchronisation. In einem kontinuierlich synchronisierten Team herrscht eine Atmosphäre von Offenheit und Transparenz und die Energie wird ohne große Reibungsverluste produktiv in das Erreichen der Teamziele gesteckt.

Im Gegensatz zur traditionellen Vorgehensweise in Projekten (Wasserfall-Modell) legt die agile Entwicklung sehr viel Wert auf die Synchronisation aller Projektmitglieder. In der traditionellen Form findet die Synchronisation nur an dedizierten Übergabepunkten statt. Wenn beispielsweise in der Softwareentwicklung die Spezifikation einen ausreichenden Reifegrad erreicht hat, synchronisieren sich die Konzeptionisten mit den Entwicklern. Am Ende der Entwicklung, wenn die Software dem Test übergeben wird, synchronisieren sich die Entwickler mit den Testern. Je nach Anzahl der Stufen sind es mehr oder weniger Synchronisationspunkte.

Synchronisation in Scrum

Im Scrum zum Beispiel findet eine Synchronisierung am Beginn und am Ende jedes Sprints statt. Abhängig von der Sprintlänge planen Scrum Teams alle ein bis vier Wochen ihre gemeinsame Arbeit neu. Am Sprintende synchronisiert sich das Scrum-Team im Review mit den Stakeholdern und untereinander in der Retrospektive. Im Daily Scrum synchronisiert sich das Entwicklungsteam zumindest einmal am Tag. Im Extrem Programming synchronisieren sich die Entwickler durch Pair-Programming und Code-Reviews, im Kanban über das Kanban-Board.

Weniger Abgleich erhöht die Gefahr, für die Tonne zu arbeiten. Lösungen werden entwickelt, die nicht mehr gebraucht werden. Zwei Komponenten, die zusammen arbeiten sollten, greifen nicht ineinander. Weil wichtige Informationen fehlen, dauern Arbeiten sehr viel länger. Verglichen mit der Häufigkeit dieser Probleme in der traditionellen Entwicklung sind die höheren Synchronisationsaufwände der agilen Entwicklung mehr als gerechtfertigt. Aber es sind immer noch Synchronisationspunkte. In der Musik funktioniert das ganz anders.

Kontinuierliche Synchronisation in der Musik

Musiker in einer Band oder einem Orchester synchronisieren sich nicht am Ende eines Abschnitts, einer musikalischen Phrase oder eines Taktes. Zusammen Musik zu machen bedeutet, kontinuierlich synchron zu sein. Jeder der Musik macht, und sei es nur mit den Händen zu irgendeinem Rhythmus zu trommeln oder zu klatschen, kennt das Gefühl, nicht mehr Takt mit der Musik zu sein - vielleicht klingt's schräg, weil ich ein bisschen daneben liege, vielleicht bin ich völlig raus - und das Gefühl, wenn es genau passt, wenn der Schlag genau dann kommt, wenn er kommen sollte. Und zwar bei allen Arten von Musik. Nicht nur wenn ich mit anderen Musiker eine Komposition spiele, die jeder lange geübt hat, sondern auch wenn ich frei improvisiere wie im Jazz oder im Fußballstadion Fangesänge mitgröle. In jeder Arten von Musik habe ich das Gefühl eingebettet zu sein, wenn ich kontinuierlich mit ihr synchron bin. Und erst durch die Freiheit, die mir diese Synchronizität gibt, kann ich beginnen meine eigene Musik miteinzubringen.

Kontinuierliche Synchronisation im Fußball

Fußballmannschaften haben in aller Regel ein Grundordnung und eine Taktik mit der sie ins Spiel gehen. Jeder Spieler hat eine Position mit der bestimmte Aufgaben verbunden sind. Wenn ich zum Beipsiel als Verteidiger in einer Viererkette spiele weiß ich, was in bestimmten Situationen von mir erwartet wird. Durch die Verschiebungen auf dem Feld und die Reaktionen jedes Spielers auf den Spielfluß wird diese Grundordnung teilweise aufgegeben. Wenn der Ball ruht, bei Standardsituationen wie Anstoß, Freistoß, Eckball, Abstoß oder Einwurf, kehrt jeder Spieler wieder zu seiner Position zurück. Auch bei Ballverlust und Balleroberung synchronisiert sich die Mannschaft um auf die neue Spielsituation zu reagieren.

Je länger diese Synchronisation anhält, um so besser ist das Zusammenspiel der Mannschaft. Mitspieler können sich aufeinander verlassen, weil sie wissen wo der Andere steht oder hinläuft, wie der Angriff vorgetragen oder der eigene Strafraum abgeriegelt wird. Neben den individuellen Fertigkeiten der einzelnen Spieler entscheidet vor allem die Fähigkeit der Mannschaft diese Synchronisation möglichst lange aufrecht zu erhalten darüber, wie gut sie spielt. Von guten Mannschaften kann sie, wie in der Musik, über das gesamte Spiel hinweg aufrecht erhalten werden. Erst dann wird aus dem Kampfspiel Fußball eine Kunstform.

Kontinuierliche Synchronisation beim Lesen

Kontinuierliche Synchronisation beim Lesen nennen wir "flüssig Lesen". Ein langer Weg, bis wir diese Fertigkeit entwickelt haben.

  • Beim Lesen dieses Textes läuft meine Wahrnehmung synchron mit dem Text.
  • Wenn sie bei unbekannten und schwierigen Wörtern abreißt und ich einen Moment brauche, um wieder in den Lesefluss zurück zu finden, bekomme ich ein Gefühl für diese Synchronisation.
  • Erst nach vielen Jahren kontinuierlichen Trainings wird dieser Lesefluss selbstverständlich.

Kontinuierliche Synchronisation trainieren

Bis Teams kontinuierlich synchron laufen, dauert es zwar vermutlich ein bisschen länger, aber wenn ich ohnehin jeden Tag in die Arbeit gehe, kann ich diese Zeit auch nutzen, um die notwendigen Fertigkeiten mit kleinen, kontinuierlichen Schritten (Move) zu trainieren.

  • Verhalten an den Synchronisationspunkten trainieren, dann trainieren wie diese Synchronisation möglichst lange aufrecht erhalten werden kann.
  • Von einzelnen Synchronisationspunkten durch kleine Schritte (Move) bis zum Grenzübergang der kontinuierlichen Synchronisation hinarbeiten.

Aufwand der kontinuierlichen Synchronisation

  • Der Aufwand für diese kontinuierliche Synchronisation beispielsweise während eines Songs oder Orchesterstücks ist dann minimal, wenn alle Beteiligten die notwendigen Fähigkeiten beherrschen.
  • Je weniger die einzelnen Teammitglieder die notwendigen Fähigkeiten beherrschen, desto größer ist der Aufwand sich immer wieder an festgelegten Punkte zu synchronisieren.
  • Deswegen ist es wichtig, herauszufinden, welche Fähigkeiten das Team und seine Mitglieder braucht, um sich kontinuierlich synchronisieren zu können, wie diese Fähigkeiten im Team und bei seinen Mitgliedern ausgeprägt sind und wie diese konkret trainiert werden können. Dazu dienen die Workshops.
  • Alle diese notwendigen Fähigkeiten wurzeln in Augenhöhe und können in kleinen Schritten (Move) trainiert werden.